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TRAINING - Fit wie die Weltspitze

Das Mekka der Fitnessindustrie liegt derzeit in Arizona: Von hier aus formte Mark Verstegen aus der deutschen Nationalelf starke Athleten

Von FOCUS-Korrespondent Jürgen Schönstein (New York)

Um in Tempe bei Phoenix/Arizona ins Schwitzen zu kommen, braucht es nicht viel: Bei 42 Grad im Schatten genügen dafür unter Umständen schon ein paar Schritte – vom Parkplatz zum Eingang des Athletes Performance Center beispielsweise. Wer jetzt noch Sport treibt, ist entweder verrückt – oder Profi. Hauptberufliche Sportler gibt es hier genug. „Unsere Kunden spielen in der amerikanischen National Football Leagueoder sind Eishockey-Stars der US-Profiliga“, erzählt Trainingsleiter Jeff Sassone. Nur durch ein Vordach vor der prallen Sonne geschützt, trainierendie bulligen Männer Schnelligkeit, Beweglichkeit und Kraft.

Hier, nahe der Arizona State University, werden Champions zwar nicht gemacht, dafür aber geformt. Sassone arbeitet in der Körperschmiede des Sport-
physiologen Mark Verstegen. Zu den Schmuckstücken der Fitnessfabrik zählen Weltklasse-Athleten wie die Tennisspielerinnen Jennifer Capriati oder Mary Pierce – und seit 2004 auch die komplette deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

Fast hämisch haben viele Experten in Deutschland reagiert, als Bundestrainer Jürgen Klinsmann ausgerechnet einen US-Amerikaner als Fitnesscoach berief. Im Fußball sei Amerika bestenfalls zweitklassig, so die einhellige Meinung. Was sie vergaßen: Im Fitnessbereich gehören die Vereinigten Staaten zur Weltspitze. „Ich habe meine Mobilität, meine Stabilität im Rumpfbereich, meine Ausdauer und meine Schnelligkeit verbessert“, berichtet etwa der deutsche Mittelfeldspieler Bernd Schneider. Fit wie nie stürmte die Mannschaft unter die besten vier – und scheiterte bestimmt nicht an Italien, weil sie körperlich geschwächelt hätte. Verstegen avancierte zum Symbol einer neuen Dimension im Fußball: Noch nie war das Spiel so athletisch wie bei dieser Weltmeisterschaft. Brasilien-Coach Carlos Parreira etwa musste frustriert erkennen, dass seine Mannschaft konditionell hinter der Weltspitze herhinkt: „Bei der körperlichen Verfassung waren Defizite da.“

Zehn Millionen Dollar kostete Verstegens 2800 Quadratmeter großes Athletes Performance Center. Vor gut fünf Jahren war Eröffnung. Seitdem geben sich die Stars des Sports die Hanteln in die Hand – und lassen, wenn sie gehen, ihre Trikots zurück. Fast wie Devotionalien hängen sie in der Eingangshalle.

Verstegens Center deshalb eine Pilgerstätte zu nennen, wäre zwar übertrieben. Aber Glaube muss hier schon eine Rolle spielen. Schließlich kostet eine Jahres-
mitgliedschaft zwischen 50.000 und 100.000 Dollar, je nach Intensität des Programms und gewünschtem Komfort. Wer hier trainiert, glaubt an den Erfolg. Manager können sich für 2.000 bis 4.000 Dollar pro Woche etwa zu einem „Executive-Training“ anmelden. Wer genug Geld ausgibt, bekommt sogar einen reservierten Parkplatz samt privater Umkleidekabine – wie etwa der Baseball-Profi Nomar Garciaparra von den Los Angeles Dodgers oder der Eishockey-Torwart Nikolai Khabibulin, Star der Chicago Blackhawks.

Der Kern ihres Fitnessprogramms ist, was Verstegen „Core Performance“ nennt: das Training der Rumpfmuskulatur. Er will vor allem jene kleinen Muskelgruppen in Hüften, Rücken oder Schultern aufbauen, die er das „Fahrgestell“ des Körpers nennt ... weiter

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 Sportmedizinisches Trainingszentrum Kämmerling

„Core Performance“: das Training der Rumpfmuskulatur. Aufbau der kleinen Muskel-
gruppen in Hüften, Rücken oder Schultern, die Verstegen das „Fahrgestell“ des Körpers nennt

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